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Aufbau- und Ablauforganisation zusammen mit KI

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Die Organisation von Firmen gleicht noch immer einem gerichteten Graphen mit einer Wurzel. Kommunikationswege sind klar, der Informationsfluss ist kontrollierbar und das System ist selbsterhaltend.

So war auch das Telefonnetz gebaut, bei welchem für die Dauer des Gesprächs eine exklusive, physikalische Verbindung zwischen den Teilnehmern aufgebaut wurde: Leitungsvermittlung. Das Internet löste dieses mit Paketvermittlung ab. Dasselbe geschieht wegen KI bei der Firmenorganisation. Oder in anderen Worten: Das heutige Organigramm hat ausgedient.

Argumente für eine hierarchische Organisation

Es sind genau dieselben, wie für das damalige, leitungsvermittelte Telefonnetz: Die Komplexität wird ins Netz (in die Organisation) verlagert, welche Profis betreiben. Die Endpunkte sind einfach gestaltet und damit auch auswechselbar.

Ein solches Netz vermittelt das Gefühl alles im Griff zu haben. Beim Telefon hiess es “Quality of Service”. In der Geschäftswelt nutzt man dafür Begriffe wie Komplexitätsreduktion, Ressourcenallokation oder Verantwortlichkeit. Nicht allzu selten geht es aber auch um Karrierearchitektur, Macht und Vertrauens-Ersatz. Und auch der militärische Ursprung steck noch drin: Wenn es eilt, will niemand ein Konsensverfahren.

Was verändert KI?

KI verändert sehr viel. Ich spreche hier aber nicht von der Möglichkeit von KI Inhalte zu generieren, aber davon, dass die “Endpunkte” dank KI intelligent geworden sind.

Erlaubt mir wieder den Vergleich mit dem Übergang von POTS (plain old telephone service) zu Internet (voice over IP). Die Komplexität wurde vom Netzwerk in die Endpunkte verlagert. So stellen die Netzwerk-Protokolle des Internets weder den gewählten Weg der Datenpakete sicher, noch deren Reihenfolge oder ob ein Paket überhaupt ankommt. Diese Aufgaben werden in höhere Protokollschichten resp. in die Clients verlagert. So ist beispielsweise Retransmission eingeplant statt ausgeschlossen: der Empfänger fordert fehlende Pakete nochmals an und bringt alles wieder in die richtige Reihenfolge.

Das funktioniert doch nie!

Die Ingenieure der Telefonnetze hatten viele Argumente, weshalb ein paketvermitteltes Netzwerk (ohne Quality of Service) immer schlechter funktionieren würde. Natürlich lagen sie zu dem Zeitpunkt richtig, doch versagten sie darin die Zukunft und der damit verbundene Paradigmenwechsel vorherzusehen: Klassische Disruption.

Niemand konnte damals Zoom, Google Docs oder Voice over IP auf dem Handy über WLan beschreiben. Das Internet brauchte noch ein paar Jahrzehnte und wir alle kennen das Ergebnis. Genau so verändern sich auch Aufbau- und Ablauforganisationen von Firmen grad jetzt.

Und gleich noch ein Wort zu gescheiterten Versuche mit Selbstorganisation oder Soziokratie. Den lasse ich nicht zu, das der nötige KI-Stack noch nicht vorhanden war (und auch heute noch nicht vollständig ist – in Internet-Zeit sind wir ungefähr bei 1972).

Das neue Organigramm

Es braucht kein neues Organigramm und somit auch nie mehr eine Reorganisation, die versucht den gerichteten Graph auf neue Gegebenheiten und Informationsflüsse auszurichten.

Es braucht KI und ein neues System, innert welchem Mitarbeitenden Haftung und Verantwortlichkeit übernehmen können (und ein Gesetz das dies ermöglicht). Denn diese Aspekte sind nicht mehr Teil des Routing-Algorithmus “Org-Chart” mit GL und VR ganz oben. Im Internet übernehmen dies übrigens festgelegte Subnetze, AS-Nummern und BGP-Peering.

In dem System übernimmt KI die Auswahl der Informationswege. Nicht aufgrund des Organigramms, sondern aufgrund des Bedarfs und der beteiligten Personen. Sie übernimmt auch gleich die Anpassung des Inhaltes und die Koordination, sodass die beteiligten Personen weiterarbeiten können. Und da die beteiligten Personen über “intelligence at the edge” verfügen, rücken die unterschiedlichen Rollen näher zusammen. Und über die Tatsache, dass Statusmeetings und Follow-ups automatisiert sind, stört sich kaum jemand ;).

Why not?

Höre ich Kontollverlust? Genau deshalb hat das Internet zentralisierte Strukturen überholt (von Plan- zu Marktwirtschaft). Weniger Verantwortung in das Netzwerk / die Organisation und mehr Vertrauen in die Endpunkte / Mitarbeitenden.

Oder wie das Schild bei Namics: „Misstraust du einem Menschen, so stelle ihn nicht ein. Stellst du ihn aber ein, so misstraue ihm nicht.“

Dieser Post basiert auf dem Artikel “The Network Always Beats the Castle” von Sam Schillace.

Von Jürg Stuker
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