Mein digitaler Traum

Der Titel war die Frage und ich komplett frei in der Antwort. So versuchte ich niederzuschreiben, was mir sehr ans Herz gewachsen ist: Universal Access (hier das PDF aus M+K). Und herzlichen Dank Andrea für das Foto dazu.

Mein digitaler Traum ist die universelle Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur für jeden Menschen – unabhängig von sozialer Klasse, Lebensort, Herkunft, Sprache, Geschlecht, Beeinträchtigung, Alter oder Vorwissen. Die Zukunft steht für mich im Zeichen des “Universal Access“.

Dieser verfolgt das Ziel, Offline- und Online-Lösungen zu entwickeln, die für möglichst viele barrierefrei zugänglich und nutzbar sind. Kulturgüter oder Ausbildungsinhalte, werden digitalisiert und für jede Nutzerin, jeden Nutzer in seiner bevorzugten Wahrnehmungsform und entsprechend seiner Fähigkeiten für die Nutzung in unterschiedlichsten Situationen zugänglich gemacht. Inschriften einer ägyptischen Grabkammer auf meinem Handy ertastbar und in eine mir verständliche Sprache übersetzt, ein Gedicht von Beuys als Bild an der Wand und gleichzeitig von ihm gesprochen oder die Entstehungsgeschichte einer Fotografie, die mich schon immer faszinierte, als Film.

Auf die Digitalwelt bezogen bedeutet mein Traum vor allem eines: Freier Zugang und Chancengleichheit. Alle Menschen haben einen einfachen, unlimitierten und im Idealfall kostenlosen Zugang zu aller digitalen Information dieser Welt. Dies gilt insbesondere auch für Inhalte, die mit öffentlichen Geldern finanziert wurden. Jede Information wird gleichberechtigt gespeichert und transportiert. Und niemals darf sie hoheitlich beurteilt, gefiltert oder kontrolliert werden; sie ist in ihrer ursprünglichen Form frei und unverfälscht zugänglich.

Mehr noch: Alle sollten auch selbst Inhalte beitragen und damit ihr eigenes Wissen und Können uneingeschränkt teilen können, damit wiederum alle Menschen darauf zugreifen können. Dafür sollen sie die publizierten Informationen nicht nur räumlich und zeitlich unbegrenzt nutzen, sondern diese auch bearbeiten und verändern dürfen. Kreativität und Innovation werden damit befeuert.

All dies hat immense Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Zum Beispiel wird Informationsasymmetrie kein Mittel der Unterdrückung mehr sein oder ein Instrument, unlauter Geld zu verdienen. Es herrscht folglich “Informationsfairness” in Bezug auf Konsum und Beitrag. Auch sind geographische Einschränkungen verschwunden – etwa hinsichtlich der Verfügbarkeit von Diensten und Inhalten in abgelegenen Regionen. Darüber hinaus ist die Abhängigkeiten von technologischen Lösungen unwichtig geworden: Alle Lösungen funktionieren. Und das ohne Sorgen über Abos, Geräteeinschränkungen oder Gedanken darüber, mit welchem Netzwerk ich verbunden bin.

Der Traum von “Universal Access” bringt für mich mehr Menschlichkeit in die digitale und analoge Welt. Er kann dazu beitragen, dass Kommunikation vertrauenswürdiger und verbindender wird und nicht “trolliger”, dass unser Privat- und Geschäftsleben von mehr Gleichheit und weniger Ungleichheit geprägt wird und dass Wissen nicht das Privileg des Starken ist, sondern von uns allen. Das darf keine Frage der Jahreszahl sein, sondern eine Frage der Einstellung. Denn wir können selbst zu diesem Zustand beitragen. Höchste Zeit also, dass diese Vision zur Realität wird. Je mehr wir teilen, desto mehr profitieren alle.

Nachwort: Gründe, weshalb universelle Verfügbarkeit und Nutzbarkeit noch keine Realität sind, sind zahlreich. Sehr gewichtig ist aber insbesondere das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer selbst. Die ungehemmte Art und Weise, wie Menschen ihre Meinungen im Netz äussern und dabei dabei sämtliche Umgangsformen vergessen, Dogmatismus, Bereicherung oder Instrumentalisierung von Daten als Mittel der Macht. Umgangsformen, Ethik, Qualität und Selbstlosigkeit des Handels sind ein noch grösserer Traum. Ziemlich sicher nicht nur von mir.